Polen
Polenaustausch 2004
AJG – Schüler besuchen das 1. Lyzeum in Waldenburg (Polen)
15 Schüler des AJG machten sich vom 7.-13. November 2004 auf den Weg nach Waldenburg, um dort die Partnerschule des AJG zu besuchen. Seit 6 Jahren pflegen die beiden Schulen einen regen Austausch, um den Schülern ein gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen. Vertieft wurden die Kontakte in diesem Jahr durch einen gemeinsamen zweitägigen Aufenthalt in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Kreisau.
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Informationen zu früheren Begegnungen:
Zeitungsbericht vom Austausch 2000
AJG erweitert Schüleraustauschprogramm mit östlichem Narchbarn
Feuerzangenbowlen-Flair in polnischer Partnerschule
von JOSEF GOERS
Neuenkirchen - Von einem einwöchigen Schüleraustasch mit reichlich neuen Eindrücken kehrte jetzt eine Schülergruppe des Arnold-Janssen-Gymnasiums zurück.
Seit einem Jahr bestehen partnerschaftliche Kontakte zwischem dem AJG und dem 1. Lyceum in Waldenburg (Schlesien). Nach dem Besuch der Polnischen im Herbst des vergangenen Jahres machte sich Ende der Herbstferien eine Gruppe des AJG auf den Weg zum Gegenbesuch. Damit erweitert das AJG sein Austauschprogramm und seine internationalen Kontakte um ein östliches Nachbarland, das nach den politischen Veränderungen mit Macht den Anschluss an die westeuropäische Normalität sucht.
Portion Neugier
Aufgebrochen war man mit einer gehörigen Portion Neugier und einer gewissen Unsicherheit vor etwas Fremden. Das sollte sich aber bald legen. Die Schule selbst - ein Bau aus den 20er Jahren unseres Jahrhunderts wirkte in seinem preusisch-nüchternen Stil zwar etwas kasernenhaft, die Räumlichkeiten, vor allem der Chemiesaal ließ aber ein wenig Feuerzangenbowle-Atmosphäre spüren. Im polnischen Schulwesen entspricht das Lyceum in etwa der Oberstufe eines deutschen Gymnasiums und führt zum Abitur. Das 1. Lyceum genießt in der Region einen außerordentlichen Ruf. Viele Schüler nehmen einen weiten Schulweg in Kauf.
Die Angst vor dem Fremden verlor sich sofort, als man erfuhr, dass die polnischen Jugendlichen die gleichen Interessen, Vorlieben und Probleme haben wie ihre deutschen Altersgenossen. Diese Verwestlichung schließt alle Entwicklungen ein: Das weltweit bekannte Symbol einer amerikanischen Fast-Food-Kette fiel sofort ins Auge. Die offen zu Tage tretende Verwestlichung machte es den AJG-Schülern sichtabr leicht, mit der vornehmlichen Fremdheit des Landes umzugehen.
Verwestlicht
In sprachlicher Hinsicht gab es wenig Probleme, da die polnischen Schüler mehr oder weniger gut die deutsche Sprache beherrschten. Der Aufenthalt in den Gastgeberfamilien geriet zu einem echten Erlebnis für alle Beteiligten. In ganz konkreter Form erfuhr man, was polnische Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit wirklich bedeuten. Die polnische Gastgeber hatten ein außerdordentlich umfangreiches und interessantes Besuchs- und Besichtigungsprogramm organisiert.
Aber auch hier sollten sich sehr rasch die Ähnlichkeiten zwischen den polnischen und deutschen Jugendlichen zeigen: Man war weniger interessiert an der wunderbar restaurierten Altstadt von Bresslau, oder an den Eigentümlichkeiten der Friedenskirche von Schweidnitz oder an dem Erlebnis, bei wunderbarem Wetter ein Aufstieg zur Schneekoppe, dem höchsten Berg des Riesengebirges zu machen, als vielmehr daran, im Gespräch mit dem polnischen Partner etwas zu erfahren von den Vorlieben, Interessen und Problemen des Partners.
Zum Abschied floß sogar manche Träne, und der feste Wille einiger Teilnehmer, gewonnene Kontakte aufrecht erhalten oder vertiefen zu wollen, gibt den verantwortlichen Lehrern auf beiden Seiten die Gewißheit, daß sie ein sinnvolles Projekt ins Leben gerufen haben, das fortgesetzt werden sollte. "Wir freuen uns auf den Besuch unserer Gäste im Oktober 2001", war daher die einhelle Meinung.
Stadt Waldenburg
Die Stadt Waldenburg
St.Arnold - Die Stadt Waldenburg (polnisch:Walbrych) liegt etwa 80 km südlich von Breslau, am Fluß des Riesengebirges und ist mit 140 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Niederschlesiens.
Die Einführung marktwirtschaftlicher Verhältnisse stellt diese Region vor große Probleme. Als ehemahliges Zentrum des niederschlesischen Kohlebergbaus leidet die Stadt unter dem Zusammenbruch dieses Industriezweigs. Trotzdem sind die Zeichen eines Aufbruchs unübersehbar.
Gelungene Restaurierungen im Stadtzentrum heben sich deutlich von manchen zur Zeit des Kommunismus heruntergekommenem Gebäuden ab.
Die Landwirtschaft scheint in dieser Region aber den größten Preis für die Einführung der Markwirtschaft zu zahlen, wie man auch von den Landleuten hören kann. Eine Landflucht hat eingesetzt, weite Teile, der an sich wunderschönen Umgebung, liegen leider brach, und die Dörfer machen einen verwahrlosten Eindruck. Bewirtschaftung der Felder mit Pferd und Wagen ist immer noch zu beobachten. Trotz allem überwog aber der Eindruck einer modernisierenden und an westlichen Normen orientierenden Gesellschaft.
Nationalgefühl
Nationalgefühl
St. Arnold - Zwei Programmpunkte werden den polnischen Schülern in nachhaltiger Erinnnerung bleiben. In der Nähe von Waldenburg besuchte man eine unterirdische Stollenanlage, die während des Zweiten Weltkrieges der NS-Staat durch ca. 40.000 Kriegsgefangene in den Berg treiben ließ. Die riesigen, nur zum Teil begehbaren und erforschten Hallen und Gänge sind nie ihrer Zweckbestimmung zugeführt worden; man vermutet, daß hier eine unterirdische Waffenproduktion geplant war oder Versuchsanlagen errichtet werden sollten.
Zum anderen bekamen die AJG-Schüler in Breslau einen Einblick in das trotz aller Internationalität immer noch ausgeprägte polnische Nationalgefühl.
Das Monumentalgemälde des polnischen Freiheitskampfes gegen die russische Fremdherrschaft aus dem Jahre 1795 hat fast den Charakter einer Pilgerstätte angenommen. Hier wird deutlich, wie sehr man im Nachbarland auch Stolz auf die eigene Geschichte entwickelt und Unabhängigkeit und Souveränität als hohes Gut deklariert.
Während der kommunistischen Ära durfte dieses Gemälde aus dem Jahre 1895 nicht gezeigt werden. Eine militärische Auseinandersetzung zwischen den sozialistischen Freunden hatte im Gesichtsbild keinen Platz.

