Leseförderung
Leseförderung am AJG
Obwohl das Lesen nach wie vor zum Freizeitverhalten der Heranwachsenden gehört, hat es in der Jugendkultur doch nur untergeordnete Bedeutung. Auch gesamtgesellschaftlich ist eine Verlagerung der relevanten Kommunikationen aus dem Print-Bereich hin zu den auditiven, audiovisuellen und aktuell vor allem den 'neuen' Computermedien zu beobachten. Sich um Leseförderung zu bemühen heißt nicht, diese Veränderungen zu ignorieren oder gar abzuwehren. Es geht darum, dem Lesen seinen Platz im Medienensemble zu sichern, es als ein kulturelle Praxis zu stabilisieren und zu stärken. Der Schule fällt hier eine besondere Verpflichtung zu, da mit dem Lesen anspruchsvolle Rezeptionsleistungen verbunden sind, die planmäßig vermittelt und sorgfältig eingeübt werden müssen. Wir dürfen darüber hinaus annehmen, dass mit dem Lesen verschiedenste sprachliche, kognitive und emotionale Lernprozesse eng verknüpft sind. So hat die Schriftlichkeitsforschung darauf aufmerksam gemacht, dass der Umgang mit geschriebener Sprache äußerst wichtig ist für den Aufbau grundlegender, auch persönlichkeitsbildender Kompetenzen. (vgl. Sonderheft Praxis Deutsch, "Leseförderung in einer Medienkultur", Friedrich Verlag, 1998)
1996 wurde die Idee der Leseförderung am AJG erstmalig in Form eines Vorlesenachmittags mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 5 und deren Eltern in die Tat umgesetzt. Die Leseförderung, die in den 90er Jahren zu einer anerkannten Aufgabe der Schulen geworden war, wird am AJG von einer Arbeitsgruppe von Lehrerinnen und Lehrern aus unterschiedlichen Fachbereichen, um damit unterschiedliche Leserichtungen zu garantieren, durchgeführt. Ziele dieser Gruppe sind der Aufbau und die Entfaltung der Lesemotivation von Schülerinnen und Schülern, Hilfe bei der Ausbildung von stabilen Lesegewohnheiten, von Lesefreude und Vermittlung von positiven Leseerfahrungen insgesamt, die auch auf den Mediengebrauch außerhalb der Schule ausstrahlen sollen.
Die derzeitige Festlegung auf die Jahrgangsstufe 5 ergab sich sowohl aus der großen Begeisterung, die in dieser Altersgruppe erzielt werden konnte, als auch aus dem Gedanken, dass Lesen mit dem Eintritt in das Gymnasium besonders zu betonen und somit persönliche Leseinteressen weiter auszubilden.
Jährlich, in den Monaten November/Dezember, wird der Lese- und Buchnachmittag von der AG Leseförderung unter dem Motto "Wer liest, der sprießt" organisiert und gestaltet. An dem Vorlesenachmittag lesen Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgangsstufen (von Jahrgangsstufe 5 bis Jahrgangsstufe 13) aus bekannten und unbekannten Kinder- und Jügendbüchern vor. Die Idee der Leseförderung erreicht auf diese Weise auch die Schülerinnen und Schüler, die den Lesenachmittag aktiv mitgestalten. Die Auswahl der Bücher trifft die AG in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen; Lesevorschläge von Schülerinnen und Schülern werden gleichwertig mit einbezogen. Die vorlesenden Schülerinnen und Schüler werden auf das Vorlesen so vorbereitet, dass sie ihren Vortrag wirkungsvoll im Sinne von Betonung und klarer Artikulation gestalten können.
Ein die Lesungen begleitendes Heftchen informiert Eltern und Schüler über die Programmgestaltung des Nachmittags, erzählt und beurteilt Inhalte der vorgestellten Bücher und spricht Buchempfehlungen speziell für die Klasse 5 aus, die sich durch besondere Qualität auszeichnen und sowohl Aktualität als auch Zeitlosigkeit berücksichtigen.
Seit 1998 werden die Vorlesenachmittage durch die Einladung von Kinderbuchautoren/autorinnen bereichert. Den Kindern wird die Möglichkeit gegeben, Literatur aktiv zu erleben, den Autor eines Jugendbuches persönlich kennenzulernen, in Gesprächen mit dem Autor über das Handwerkliche des Schreibens etwas zu erfahren.
Zusätzlich wird das Leseförderungsprogramm durch eine Bücherausstellung unterstützt. Schüler und Eltern haben die Gelegenheit zur Begegnung mit Büchern unterschiedlicher Textsorten und können dabei im Sinne einer Leseberatung bekannte und beliebte Autoren, interessante und spannende Themen, schöne Buchgestaltungen, Neuerscheinungen und Klassiker für sich entdecken. Erreicht werden soll dadurch auch ein gesteigertes Interesse daran, die schuleigene Bibliothek regelmäßig zu nutzen.
Da Lesen offensichtlich als "höchst ergiebige Quelle für das sprachlich-begriffliche Lernen, die Entfaltung von Sprachbewußtsein und die Entwicklung des Denkens" betrachtet werden kann und somit wahrscheinlich unersetzlich bleibt, sollte an einen günstigen Ausbau der Leseförderung gedacht werden. Folgende Projekte als lesefördernde Initiativen böten sich an: Bereitstellen von KlassenbibliothekenBuchausstellungen in der PausenhalleAktionsformen wie Buch- und LesefesteLesetage mit der MittelstufeBücherzirkus: Dramatisierung von JugendbüchernLesetagebuch als Begleitung einer LektüreBücher schreiben (kreatives Schreiben)

