28.11.11: "Her mit einem guten Buch!"
Wenn in der Turnhalle des Arnold-Janssen-Gymnasiums Geisterritter, Monster, ein magisches Gewitter und eine Zeitbadewanne auftauchen, kann das nur einen Grund haben: den Vorlesenachmittag. Vier Schüler stellten den Fünftklässlern am Donnerstag etwas andere Kinderbücher vor, um sie mitzureißen und zum Lesen zu animieren. Auch der Autor Jürgen Riering las aus seinem Buch vor – und die Kinder waren von der ersten bis zur letzten Sekunde gefesselt.
„Her mit ´nem guten Buch“, rappten die Kinder der Klasse 5b zu Anfang. Ihre Botschaft: Lesen lässt Spielraum für die eigene Phantasie im Gegensatz zu Filmen oder Fernsehsendungen. Das war auch die Botschaft der Vorleser, die den Fünfern durch ihre Art zu lesen die Möglichkeit gaben, eigene Bilder in ihren Köpfen entstehen zu lassen.
Die 12-jährige Mirja Hovemann las aus „Geisterritter“ von Cornelia Funke. Der Kampf gegen die blutrünstigen Geister auf einem Internat riss die Kinder mit, weil Mirja mit ihrer Stimme eine unheimliche Stimmung erzeugte und die Angst der Internatskinder gelungen transportierte. Nicht viel besser erging es den Personen in dem Buch „Mittelsturm“ von Mike Maurus, aus dem Hendrik Post (17) vorlas. Das einzig Schöne im Leben der Waisenkinder ist das Fußballspielen – aber wie: Magie und Zauberei sind im Spiel und verwandeln das Spiel in ein fantastisches Match, das schließlich den Zugang zum Königreich Fantasmanien nach sich zieht. Danach erweckte Eva Leuer (16) mit einem Auszug aus „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness und Siobhan Dowd eine Eibe zum Leben – doch nicht nur lebendig, sondern sogar zu einem Monster wird die Eibe, die gerade den Mund aufmacht, um zu sprechen – aber an dieser Stelle endete der Lesevortrag natürlich mit den obligatorischen Worten: „Und wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht, müsst ihr das Buch selbst lesen“.
Auch Patrick Stadler verriet noch nicht alles aus dem Buch „Dr. Proktors Zeitbadewanne“ von Jon Nesbø. Der 13-jährige ist bereits ein „alter Hase“: schon zum dritten Mal las er vor, auch bei Theateraufführungen hatte er bereits überzeugt. Mit einer gewissen Coolness, der Fähigkeit seine Stimme zu verstellen und die Kinder zu unterhalten schaffte er es, dass alle Kinder mucksmäuschenstill zuhörten – bei etwa 150 Zuhörern nicht selbstverständlich. „Das zeigt, wie groß das Interesse an guten Büchern ist“, freute sich Schulleiter Johann Heck. Zurück zu Patrick: Er las die Geschichte des schusseligen Erfinders Dr. Proktor, der in der Zeitbadewanne mit seinen Nachbarskindern einen Ausflug nach Paris macht und sich plötzlich im Moulin Rouge wieder findet. Nicht in Paris, sondern in Bochum spielt die Geschichte des Autors Jürgen Riering. Er las aus seinem bisher einzigen veröffentlichten Roman „Der Bund der Wächter – Entführung in Stiepel“ vor, in dem es um Kinderdetektive geht, die ein Abenteuer um gefährliche Steine erleben.
Die Fünftklässler lauschten dem 37-jährigen Autoren, der in Havixbeck geboren ist, und löchteren ihn anschließend mit Fragen. Organisatorin und AJG-Lehrerin Eva Schmidtke war durchweg zufrieden mit dem zwölften Lesenachmittag und betonte die Relevanz des Lesens: „Lesen und Vorgelesen bekommen wirkt sich auf unsere Persönlichkeit aus“, erklärte sie. Als es dunkel wurde, verschwanden alle Geisterritter, Monster, magische Gewitter und Zeitbadewannen aus der Turnhalle, doch vielleicht tauchen sie bald in dem einen oder anderen Kinderzimmer wieder auf…
Fragen an Jürgen Riering (37), Autor und Wahl-Bochumer, betreibt seit Oktober 2010 die „Leseinsel“ in Bochum, eine Buchhandlung mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuch
Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Ich habe mir schon als Kind gerne Geschichten ausgedacht. Später habe ich dann angefangen, sie aufzuschreiben, und vor kurzem habe ich dann mein erstes Buch veröffentlicht.
Wie waren die Reaktionen auf dieses Buch?
Erfreulicherweise waren die meisten Reaktionen sehr positiv. Gerade hat mich beispielsweise ein Schüler angesprochen und gesagt, dass er mein Buch gut fand – so etwas freut mich natürlich. Eine Fortsetzung des Buches ist übrigens im nächsten Jahr geplant.
Warum interessieren Sie sich besonders für Kinder- und Jugendbücher?
Ich finde, dass diese Gattung eine der spannendsten Literaturgattungen überhaupt ist, denn Kinder und Jugendliche lesen aus dem Bauch heraus. Entweder sie lesen weiter oder das Buch landet in einer Ecke – das ist eine Herausforderung, die sehr spannend ist.
Sie halten viele Lesungen, sind Sie trotzdem noch nervös?
Man gewöhnt sich schon daran, aber ein bisschen Lampenfieber bleibt und wird auch wohl nie weggehen.
(Eva Leuer, Q1)


